Zusammenfassung der Themen 2016

 

Die postgenomische Ära: Die Renaissance des Phänotyps

 

Die 26. Hülsenberger Gespräche am 7. und 8. Juni 2016 in Hamburg befassten sich mit einem wichtigen Bereich in der Landwirtschaft, der Pflanzen- und Nutztierzucht unter dem Generalthema: Phänotypisierung.

 

Der Phänotyp, d. h. die morphologischen und physiologischen Merkmale eines Individuums, werden durch Genotypen und Umwelt geprägt. In der Nutztierzucht schließt die klassische Exterieurbeurteilung die Negativ-Varianten und Extreme von

der Zuchtverwendung aus, heute im Zeitalter der Genomik stehen neben den klassischen Merkmalen neue Informationen und bestimmte Funktionsabläufe im Mittelpunkt der Erfassung. Das Ziel in der Nutztierzucht ist die Erträge, Leistungen

und Gesundheit zu optimieren, um die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Produktions-verfahren zu verbessern.

 

Im ersten Block zeigte Prof. Dr. Jörn Bennewitz (Hohenheim) die Entwicklung der genomischen Selektion am Beispiel der Milchrinderzucht. Der Zuchtfortschritt, z. B.

für die Milchleistung, hat die Praxis überzeugt und die genomische Selektion wird in Richtung „präziser“ Züchtung weiterentwickelt.
Prof. Dr. Cord Drögemüller (Bern) erläuterte an Beispielen die Auswirkungen der

SNP-Genotypisierungen auf Erbfehler/Gesundheit.
Es folgte Prof. Dr. Ruedi Fries (Weihenstephan) mit den Zukunftsstrategien für genomische Ansätze auch bei den niedrig erblichen funktionalen Merkmalen, hin in

die sogenannte „Präzision der Selektion“.

 

Im nächsten Tagungsblock wurden Frage der Synergien zwischen der Pflanzen-

und Tierzucht heraus gearbeitet. Prof. Dr. Rod Snowdon (Giessen) demonstrierte die klassische Pflanzenzucht und deren Weiterentwicklung unter Einbeziehung der genomischen Informationen bei der Nutzung von Hybridkombinationen.
Die beiden folgenden Beiträge von Prof. Dr. Ulrich Schurr (Jülich) und Prof. Dr. Georg Thaller (Kiel) widmeten sich den aktuellen Fragen von neuen Phänotypen für Pflanzen- und Tierzüchtungsprogramme. An praktischen Beispielen von komplexen Zuchtzielen zeigten sie die neuesten technischen Entwicklungen der Phänotypisierung für Energie- und Nährstoffaufwand, Gesundheits- und Resistenzmerkmale, Anpassung an verän-derte Umwelten. Die Erfassung der physiologischen Abläufe und die Erkennung der Stellgrößen sind für die Zukunft wichtige Erfassungsschwerpunkte, erste Ansätze mit technischen und molekularen Methoden können hilfreich sein.

Prof. Dr. Klaus Wimmers (Dummerstorf) stellte in seinem Referat die Epigenetik in den Mittelpunkt und es wurde deutlich, dass hier noch Grundlagenforschung notwendig ist. Ansätze für die Nutztierzucht wurden diskutiert.

 

Prof. Dr. Wolfram Weckwerth (Wien) präsentierte Ergebnisse von genomweiten molekularen Analysen und zeigte Beispiele von mathematisch/statistischen Methoden für eine Nutzung dieser Informationen.
Anschließend folgten physiologische Programme für die Milchbildung/Laktation von Prof. Dr. Gerhard Breves (Hannover), für das Wachstum im Zeitablauf von Prof. Helga Sauerwein (Bonn) und für die Eibildung/Legeleistung von Prof. Dr. Bernd Kaspers (München). Ansätze für Merkmalserfassungen und gezielte Bearbeitungen wurden deutlich.

 

Im letzten Tagungsblock standen Zukunftsfragen im Mittelpunkt, die Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Genom wurden vorgestellt. Prof. Dr. Wilhelm Windisch (Weihenstephan) zeigte Ansätze für die genetische Modulation der Ernährungs-physiologie. Jun.-Prof. Dr. Jana Seifert (Hohenheim) gab detaillierte Informationen zur Entwicklung der Mikrobiota im Verdauuungstrakt, Prof. Dr. Christa Kühn (Dummerstorf) erläuterte die vielen Faktoren der Immunmechanismen und zum Schluss konnte

Dr. Stefan Bauersachs (Zürich) Ergebnisse der funktionalen Genomanalyse für ausgewählte Abläufe im Fruchtbarkeitsgeschehen vorstellen. Ansätze für systematisch notwendige Forschungen wurden deutlich herausgearbeitet und von Prof. Gerhard Breves (Hannover) in der Zusammenfassung thematisiert.

 

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