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Wiederkäuerernährung  - wesentliche Grundlage für Tiergesundheit, Ressourcenschonung sowie Umwelt- und Klimaschutz
Die H. W. Schaumann Stiftung lädt im zweijährigen Turnus bedeutende Wissenschaftler zu den dreitägigen „Hülsenberger Gesprächen" ein, um den Gedankenaustausch zwischen den Disziplinen der Veterinär- und Agrarwissenschaften zufördern. Die 23. Hülsenberger Gespräche am 21.- 23. Mai 2008 in Lübeck befassten sich mit einem wichtigen Bereich der Nutztierhaltung, der unter dem Generalthema: Wiederkäuerernährung stand.
Der Wiederkäuer spielt seit der Antike bis in die Neuzeit eine besondere Bedeutung. Die Erzeugung von essbarem Protein durch Wiederkäuer aus Substraten, die sonst nicht oder kaum in die Nahrungskette einfließen würden, sind die große Besonderheit. Prof. Flachowsky (Braunschweig) hat dieses komplexe „System Wiederkauer mit Zellwandabbau, mikrobieller Proteinsynthese und Methanbildung in Form von Pro und Kontra dargestellt. Diese Betrachtungen wurden von  Prof. Swalve (Halle) aus züchterischer Sicht und von Prof.  Heißenhuber (Weihenstephan) aus ökonomischer und ökologischer Sicht anhand von Beispielen besonders vertieft.
Das mikrobiologische System des Pansens mit seiner enormen Leistungs- und Anpassungsfähigkeit charakterisierte Dr. Wallace (Aberdeen/UK) und Prof. Allen (East Lansing/USA) zeigte insbesondere  die Fermentationsleistung in Abhängigkeit von der Energieaufnahme.  Prof. Dijkstra (Wageningen/NL) konnte die derzeit verfügbaren Informationen der Leistungen des Pansens in  Modelrechnungen einbeziehen und dadurch  die Leistungsfähigkeit dieses komplexen Systems theoretisch ableiten. Abschließend gab Prof. Dänicke einen Überblick zu den schwerverdaulichen Substanzen, d.h. die Licht und Schattenseiten des Pansens.
Prof. Gäbel (Leipzig) erläuterte den derzeitigen Kenntnisstand der Resorptionsleistung von Energieträgern und es wurde der notwendige Forschungsbedarf deutlich. Die Futteraufnahme ist ein wichtiger, limitierender Faktor, so dass Prof. Langhans (Zürich/CH) eine Überblick zur Steuerung der Futteraufnahme bei Wiederkäuern heraus arbeitete. Die Auswirkungen von Störungen im Energie-stoffwechsel wurden anschließend an Beispielen der Fruchtbarkeit beim Rind von Prof. Rehage (Hannover) dargestellt. Prof. Kaspers (München) präsentierte  dann den derzeitigen Kenntnisstand zu dem komplexen Gebiet  "Ernährung und Immunität".
Prof. Joost (Potsdam-Rehbrücke) rundete diese komplexe Thematik ab mit einem Ausblick auf die Rolle der Ernährung in der Entstehung von Krankheiten beim Menschen.
 
Die bisher vorgestellten Informationen konnte Prof. Südekum (Bonn) in seiner Bewertung für die Zukunft der Futterbewertung bei Wiederkäuer einbeziehen und gab wichtige Schlussfolgerungen. Prof. Taube (Kiel) präsentierte aktuelle Ergebnisse aus den umfangreichen Futterbau-systemen und deren Auswirkungen auf die Stoffbilanzen. Abschließend zeigte Prof. Latacz-Lohmann (Kiel) die Entwicklungsperspektiven für Milchviehbetriebe insbesondere unter norddeutschen Bedingungen auf. Risiko- und Anpassungsbereitschaft der Unternehmer werden diesen Betriebszweig auch in Zukunft gestalten.